Schein-Werkvertrag

Fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit werden in deutschen Betrieben neben Leiharbeitnehmern zunehmend auch Werkvertragsarbeitnehmer eingesetzt. Das Instrument Werkvertrag wird in der betrieblichen Praxis nicht selten missbraucht, da der Einsatz von Fremdarbeitskräften im eigenen Unternehmen betriebswirtschaftlich kaum sinnvoll auf Werkvertragsbasis organisiert werden kann. Viele Berater bieten ihren Mandanten dennoch vermeintlich rechtssichere Vertragsgestaltungen an, die jedoch in Wirklichkeit einem Damoklesschwert mit zum Teil massiven straf- und bußgeldrechtlichen Gefahren sowie finanziellen Risiken gleichen.

Schein-Werkverträge bieten dem Auftraggeber zwei Wettbewerbsvorteile:

  • Zum einen werden mit Werkverträgen die Lohnbedingungen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes noch einmal zum Teil deutlich unterschritten, was sich entsprechend auf die eingekauften Leistungen bzw. die einkalkulierten Stundenverrechnungssätze auswirkt, und
  • zum anderen kann die Leiharbeiterquote insbesondere bei den gewerblichen Arbeitskräften massiv über das branchenübliche Niveau hinaus ausgedehnt werden (teilweise bereits bis zu 95 %). Der negative Schleckereffekt in der Presse soll dadurch vermieden werden. Der Preisvorteil der legalen Zeitarbeit kann mit Hilfe von "Werkverträgen" auf einen Großteil der gewerblichen Arbeitnehmer ausgedehnt werden.

Dabei treten sowohl in- als auch ausländische Zeitarbeits- und Subunternehmen in Erscheinung. Das bei Schein-Werkverträgen anzutreffende Lohndumping ist unterschiedlich stark ausgeprägt.